Ein Überblick über die Geschichte von Saigon
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Saigon ist eine junge Stadt Vietnams, doch ihre rund 300-jährige Geschichte ist zugleich reich und bewegend. Heute gilt Saigon als wirtschaftliche Hauptstadt des Landes. Hier ein Überblick über die wichtigsten Etappen der Stadtgeschichte.
Bevor Saigon seinen heutigen Namen erhielt

Archäologische Funde unter der Kathedrale belegen, dass das Gebiet bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt war. Im Laufe seiner Geschichte stand der Ort mehrfach unter dem Einfluss der Khmer. Erst im 18. Jahrhundert erhielt er den vietnamesischen Namen Saigon. Das Wort könnte „Wattebaum“ oder „Kapokbaum“ bedeuten – ein Baum, der in dieser Region heimisch ist.
Vom 15. bis zum 18. Jahrhundert
Ab Ende des 15. Jahrhunderts ließen sich erste Vietnamesen – damals Annamiten genannt – spontan in dieser fruchtbaren Region nieder. Zwischen 1623 und 1698 verstärkte sich die Einwanderung erheblich. Nicht weit entfernt entwickelte sich Cho Lon als Zentrum der chinesischen Gemeinschaft: Händler, die vor der Ming-Dynastie geflohen waren, gründeten hier einen bedeutenden Handelsumschlagplatz.
Die Annamiten bezeichneten die Stadt als Phan-Yen (Oberstadt) und den Handelsbereich am Fluss als Ben Thanh. Ein weiterer Name war Prei Nokor, „Hauptstadt des Waldes“, ein Hinweis auf die dichte Vegetation, in der die Siedlung entstand.
Um 1700 war die Stadt noch ein kleiner Flusshafen. Doch allmählich wurde sie für ihre kosmopolitische Atmosphäre bekannt: Khmer, Cham, Chinesen, Inder und Vietnamesen lebten hier nebeneinander. Eine entscheidende Rolle spielten in dieser Zeit die Nguyen-Lords, die vom Zentrum Vietnams aus ihre Macht nach Süden ausdehnten.
Nach der Einigung des Landes vom Norden bis zum Süden – nach dem Sieg über die aufständischen Tay-Son-Brüder – wurde Saigon durch Erlass des ersten Kaisers der Nguyen-Dynastie zur Zitadelle von Gia Dinh erklärt.
Wichtige Daten
1859
Die französischen Truppen besetzten die Zitadelle Gia Dinh und machten sie zum Sitz der Kolonie Cochinchina. Das Stadtbild veränderte sich schnell: Die Franzosen gestalteten die Stadt im europäischen Stil um. Der Name „Ville de Saigon“ stammt aus dieser Zeit.
1867
Ein Wendepunkt in Saigons Geschichte: Cochinchina wurde offiziell zur französischen Kolonie, und Saigon entwickelte sich zu einem bedeutenden administrativen, militärischen und wirtschaftlichen Zentrum.
Obwohl die Kolonialzeit moderne Infrastruktur, Entwässerung der Sümpfe, Alleen und neue Gebäude brachte, erlebte Saigon zahlreiche politische Krisen – darunter die Absetzung Kaiser Bao Dais, der Aufstieg Ngo Dinh Diems und verschiedene militärische Konflikte.
Von 1954 bis 1975
Saigon trat in eine kämpferische und unruhige Phase ein. Verschiedene Kräfte beeinflussten die Stadt:
– die pro-amerikanische Regierung Diems
– die Anhänger von Bao Dai
– die Unterstützer von Ho Chi Minh
1955 gelang es Ngo Dinh Diem – mit klar pro-amerikanischer Ausrichtung – Bao Dai zu entmachten und Saigon zu regieren. Die Stadt wurde zur Hauptstadt der Republik Vietnam und damit zu einem pro-amerikanischen Regime.
Die Amerikaner errichteten mehrere Bauwerke, darunter den Wiedervereinigungspalast, das Palace-Hotel und die US-Botschaft. Trotz wiederholter Bombardierungen und Anschläge blieb ein großer Teil des architektonischen Erbes erhalten.
Zwischen 1965 und 1975
Saigon war das Zentrum politischer Auseinandersetzungen und Machtwechsel.
1973 führte das Pariser Abkommen zum Abzug der amerikanischen Truppen.
1975 fiel das pro-amerikanische Regime – und Saigon erhielt den Namen Ho-Chi-Minh-Stadt, zu Ehren des Mannes, der als Symbol der nationalen Einheit gilt.
Seit 1975
Seit der Umbenennung in Ho-Chi-Minh-Stadt 1975 wird die Stadt wie andere Städte Vietnams von einem einheitlichen System verwaltet. Nach mehr als 20 Jahren wirtschaftlicher Erneuerung gelten Ho-Chi-Minh-Stadt und Hanoi heute als die beiden wichtigsten Wirtschaftszentren des Landes. Für viele Vietnamesen steht Ho-Chi-Minh-Stadt für Modernität, Dynamik und Vitalität – ein Motor der nationalen Wirtschaft.
Heute

Kathedrale Notre-Dame von Saigon
Zu den Stoßzeiten brodelt die Stadt: Motorräder wimmeln durch chaotische Straßen, Autos stauen sich kilometerweit. Am Samstagabend füllen Jugendliche die Parks und Boulevards – die Stadt pulsiert vor Energie.
Ho-Chi-Minh-Stadt ist dynamisch, rastlos und offen für Veränderungen. Mit einer Mischung aus Ehrgeiz und Dringlichkeit strebt die Stadt danach, ihre Nachbarn wie Thailand oder Singapur einzuholen.
Gemeinsam mit den südlichen Provinzen bildet sie ein „Wachstumsdreieck“, das fast 50 % des vietnamesischen BIP, 60 % der industriellen Produktion und 60 % der Exporte erwirtschaftet – ein Wirtschaftsmotor, dessen Wachstum weit über dem Landesdurchschnitt liegt.
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