Trauer in Vietnam
Résumé du contenu
Die vietnamesischen Trauerriten drücken zwei gegensätzliche Gefühle aus:
die tiefe Trauer über den Verlust eines geliebten Menschen – und zugleich den Wunsch, ihm eine würdevolle Reise in die andere Welt zu bereiten.

Der Geist der Vietnamesen
Der Glaube, dass der Mensch gleichzeitig aus einem materiellen Körper und einer immateriellen Seele besteht, die nach dem Tod „in die andere Welt“ übergeht, prägt die vietnamesische Einstellung zur Vergänglichkeit. Ebenso spielt die traditionell zukunftsorientierte Denkweise (beeinflusst von der Yin-Yang-Philosophie) eine große Rolle. Deshalb erwarten viele Vietnamesen den Tod mit bemerkenswerter Ruhe und Gelassenheit.
Man bereitet sich gewissenhaft auf den eigenen Tod oder den eines nahestehenden Menschen vor, um ihm zum Zeitpunkt der letzten Reise einen würdigen Abschied zu bereiten.
Ein hohes Alter zu erreichen gilt als Segen. Das Sprichwort sagt:
„Tre lam ma, gia lam hoi“ – Für die Jungen: Trauer, für die Alten: Festmahl.

In manchen Regionen werden beim Tod eines Hochbetagten sogar Böller gezündet, und Ur- bzw. Ururenkel tragen Trauer in Rot oder Gelb.
Die Trauerzeremonie
Viele ältere Menschen kaufen bereits zu Lebzeiten ein vollständiges Bestattungspaket (co hau oder co tho) für ihre letzte Reise.
In Vietnam ist der Sarg ein quadratischer Block – ein Symbol der Yin-Welt, also des Jenseits. Im Westen hingegen ist er meist sechseckig und der Körperform angepasst.
Manche lassen einen zusätzlichen Außensarg (quách) herstellen.
Der Ausdruck „trong quan ngoai quach“ („Sarg innen, Außensarg außen“) beschreibt besonders sorgfältig vorbereitete Bestattungen.
Der posthume Name
In den letzten Augenblicken gilt es, dem Sterbenden einen posthumen Namen (tên húy oder tên thuỵ) zu geben.
Dieser Name wird nur dem Verstorbenen, den Nachkommen und dem Schutzgeist des Hauses bekannt. Er verhindert, dass fremde, umherwandernde Seelen sich während der Ahnenrituale „einschleichen“.
Während der Opfergaben wird der Verstorbene ausschließlich mit diesem Namen angerufen – der Schutzgeist lässt nur die richtige Seele eintreten.
Reinigung und Vorbereitung des Körpers
Vor dem Einwickeln in das Leichentuch erfolgt die rituelle Waschung.
Man legt dem Verstorbenen Klebreis in den Mund – als Nahrung für die Reise – und Münzen als Bezahlung für die Überfahrt ins Jenseits. Ein Tuch wird über das Gesicht gelegt, damit er die Trauer der Angehörigen nicht sieht.
Im Sarg werden traditionell kleine persönliche Gegenstände wie Kämme oder Spiegel beigelegt – ein Brauch, der bis zu den Hùng-Königen reicht.
Symbolik am Grab
Nach der Bestattung stellt man eine Schale Reis mit einem hart gekochten Ei darauf auf das Grab, manchmal mit einem Strohkranz.
Diese Elemente symbolisieren:
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Strohwirbel → Chaos, Ursprung des Universums
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Reisschale → das „Große Eine“
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Yin und Yang → die zwei Kräfte
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Ei → das Leben
Gemeinsam drücken sie den Wunsch nach schneller Wiedergeburt aus.
Umbettung nach dem Trauerjahr
Nach der offiziellen Trauerzeit (symbolisch drei Jahre, praktisch 27 Monate) erfolgt oft die Umbettung.
Die Knochen werden gereinigt und in einem kleinen Keramikgefäß erneut beigesetzt – an einem Ort, der nach geomantischen Prinzipien ausgewählt wird, damit der Verstorbene den Nachkommen Schutz und Glück bringen kann.
Zwischen Philosophie und Schmerz
In Vietnam bewegt sich die Trauer zwischen zwei Polen:
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Der philosophische Blick: Der Tod ist nur ein Übergang in ein anderes Leben.
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Der emotionale Blick: Der Verlust eines geliebten Menschen schmerzt zutiefst.
Um die Seele des Verstorbenen „zurückzurufen“, tragen manche Angehörige dessen Kleidung aufs Dach und rufen symbolisch seine drei Seelen und vitale Energien (sieben bei Männern, neun bei Frauen).
Trauerkleidung und Rituale
Die traditionellen Farben der Trauer sind Weiß und Schwarz – in Südostasien die unheilvollsten Farben.
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Kinder: weite, ungehemmte Kleidung
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Söhne: Strohhut + Stab
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Töchter/Schwiegertöchter: offene Haare, grober Schleier (mũ mấn)
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Kleine Kinder und entfernte Verwandte: weißer Turban
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Während der Prozession: man rollt sich manchmal symbolisch auf der Erde
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Während der Trauerzeit: kein Haarstyling, keine Schuhe, Kleidung mit Außennähten
Gemeinschaftsgeist
Vietnam zeigt bei Trauerfällen stark seinen Gemeinschaftssinn.
Nachbarn kommen sofort, um zu helfen, zu trösten oder die organisatorischen Aspekte zu übernehmen, wenn die Familie überfordert ist. Das Sprichwort lautet:
„Bán anh em xa, mua láng giềng gần“
„Verkaufe entfernte Verwandte, kaufe nahe Nachbarn.“
(Sprich: Der Nachbar ist wertvoller als der weit entfernte Verwandte.)
Manchmal tragen auch Nachbarn Trauer – mindestens drei Tage –, um ihre Verbundenheit zu zeigen.
In ländlichen Regionen werden sogar Bäume mit weißen Bändern „in Trauer gehüllt“, wenn ihr Besitzer stirbt.
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