Die Rolle des Wasserbüffels im Leben der Vietnamesen

Der Wasserbüffel hat seit jeher eine zentrale Rolle im Leben der Vietnamesen gespielt. Er gilt nicht nur als ein emblematisches Tier, sondern wird in vielen Regionen bis heute der Maschine vorgezogen. Die Bauern schätzen seine Stärke, seine Ausdauer und sein ruhiges Wesen. Dank seiner Anpassungsfähigkeit eignet er sich ideal für die Arbeit in feuchten, unebenen und überschwemmten Gebieten. Das Bild des Büffels erscheint in allen Bereichen des vietnamesischen Lebens und gilt als kulturelles wie auch spirituelles Symbol des Volkes.

In den vietnamesischen Dörfern sieht man oft einen Jungen, der auf dem Rücken eines Büffels sitzt und Flöte spielt.

Die Legende des Büffels in Vietnam

Am Anfang der Zeiten war die Erde karg, trocken und unfruchtbar. Die Menschen lebten in Entbehrung, abhängig von Jagd und Sammeln. Der Jadekaiser (Ngọc Hoàng), Herrscher des Himmels, beschloss, ihnen zu helfen.

Er rief einen tugendhaften Himmelsgott zu sich, gab ihm zwei heilige Säcke mit Samen und sprach:
„Im roten Sack befinden sich die Getreidekörner – Reis, Mais, Weizen – die den Menschen Nahrung geben sollen. Im grünen Sack sind die Samen von Gräsern und Wildpflanzen, die die Erde schmücken und den Tieren als Futter dienen. Du sollst zuerst das Getreide auf den größten Teil des Landes aussäen und nur einen kleinen Bereich für die Gräser lassen.“

Der Gott machte sich demütig auf den Weg zur Erde. Doch unterwegs wurde er von den Schönheiten der Welt verzaubert – Blüten, Vogelgesang, Feentänze, der Duft reifer Früchte. Er vergaß die Worte des Jadekaisers.

Als er die Erde erreichte, erinnerte er sich nicht mehr, welcher Sack welches enthielt. Grün erschien ihm als Farbe des Lebens – also säte er die Samen aus dem grünen Sack, die Gräser, über das meiste Land. Auf dem kleinen Rest verteilte er die Samen des roten Sacks.

Schon bald überwucherten Gräser die Erde, erstickten die Getreidepflanzen und machten den Menschen das Leben schwer. Sie mussten unermüdlich jäten und das Land bearbeiten, um eine kleine Ernte zu erzielen.

Als der Jadekaiser davon erfuhr, wurde er zornig:
„Du hast den Menschen großen Schaden zugefügt. Zur Wiedergutmachung sollst du als Büffel wiedergeboren werden. Du wirst die Felder pflügen und dein Leben lang das Gras fressen, das du versehentlich gesät hast!“

Seitdem arbeitet der verwandelte Gott als Büffel in den Reisfeldern, geduldig und kräftig. Und so wurde der Büffel zum treuen Gefährten des vietnamesischen Bauern – ein Symbol für Mut, Fleiß und Treue. Deshalb nennt man ihn:
„Đầu cơ nghiệp“ – Der Anfang allen Wohlstands.

Eigenschaften des Wasserbüffels

Der Wasserbüffel ist ein Symboltier der vietnamesischen und asiatischen Landschaft. Er ist stark, ausdauernd, genügsam und unverzichtbar für die Bewirtschaftung der überschwemmten Reisfelder.

Unterschied zwischen Büffeln und Kühen

Obwohl Kühe ebenfalls Pflüge ziehen können, sind Wasserbüffel viel geeigneter. Sie sind kräftiger, widerstandsfähiger und können problemlos in tiefem Wasser und Schlamm arbeiten. Kühe hingegen fürchten Wasser und sind weniger anpassungsfähig an tropische Bedingungen.

Warum liebt der Büffel Wasser?

In tropischen Regionen kann die Temperatur bis zu 39 °C erreichen. Die Haut des Büffels ist dick, seine Schweißdrüsen sind kaum entwickelt – er kann nicht schwitzen. Deshalb muss er, um seinen Körper zu kühlen, ins Wasser steigen, besonders nach harter Feldarbeit.

Der Büffel – unersetzlicher Begleiter des Bauern

Vietnam ist seit Jahrhunderten ein Agrarland, und früher gab es keinerlei moderne Maschinen. Der Büffel war das wichtigste Werkzeug des Bauern – nicht nur ein Arbeitstier, sondern ein Teil des täglichen Lebens.

Das Bild „Der Büffel geht voran, der Pflug folgt“ ist ein traditionelles Sinnbild für das vietnamesische Dorf, ebenso wie der Anblick eines Büffels, der friedlich Gras frisst. Beides weckt ein Gefühl von Ruhe und ländlicher Harmonie.

Der Büffel im kulturellen und spirituellen Leben

Der Wasserbüffel symbolisiert Kraft, Wohlstand und innere Ruhe. Er ist nicht nur ein Helfer im Feld, sondern auch ein heiliges Tier, verbunden mit Gottheiten, Ritualen und Volksglauben. Er steht für den Wunsch nach Fülle und Frieden.

Das Büffelopferfest (Lễ Đâm Trâu)

In den zentralen Hochländern feiern ethnische Minderheiten jedes Jahr das Büffelopferfest – ein uraltes Ritual mit zwei Bedeutungen:

  1. Dank an die Himmelsgötter (Yang) für reiche Ernten

  2. Gebet um Wohlstand, Frieden und Glück

Der Büffel wird am Ende des Rituals geopfert, nicht aus Grausamkeit, sondern als heiliger Bote, der die Gebete der Menschen zu den Göttern trägt.

Das Büffelkampffest von Hải Phòng (Đồ Sơn)

Das berühmte Büffelkampffest in Đồ Sơn zieht jedes Jahr Tausende an. Es ehrt die Schutzgottheiten und soll Glück, gutes Wetter und reiche Fischerei bringen.

Der Siegerbüffel gilt als Glücksbringer, und sein Fleisch wird als Symbol für Stärke und Wohlstand verehrt.

Der Büffel – Symbol des Wohlstands

In Vietnam war ein Büffel früher Maßstab für den Reichtum einer Familie. Ein vietnamesisches Sprichwort lautet:

„Tậu trâu, lấy vợ, làm nhà“ — Einen Büffel kaufen, heiraten, ein Haus bauen.

Diese drei Aufgaben galten als die größten Herausforderungen des Lebens.

Ein weiteres Sprichwort sagt:

„Con trâu là đầu cơ nghiệp“ — Der Büffel ist der Beginn allen Vermögens.

Nach Feng-Shui bringt der Büffel Stabilität, ruhige Kraft und Wohlstand.

Der Büffel in der vietnamesischen Kunst

Der Büffel erscheint oft in der Volkskunst, insbesondere in den berühmten Đông-Hồ-Malereien. Das ikonische Bild „Büffel hüten und Flöte spielen“ zeigt einen Jungen in friedlicher Harmonie mit seinem Büffel – Symbol für Einfachheit und Glück des Landlebens.

Ein ewiges Symbol Vietnams

Der Wasserbüffel bleibt eines der stärksten Symbole Vietnams:
Kraft, Geduld, Beständigkeit und tiefe Verbundenheit mit der Natur.

Seine Gestalt in den Reisfeldern erinnert an eine jahrtausendealte Kultur, geprägt von Einfachheit, Fleiß und innerer Ruhe.

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