Vietnam-Ethnologisches Museum: Begegnung mit den 54 Volksgruppen

Nur wenige Kilometer vom geschäftigen Altstadtviertel Hanois entfernt bietet das Vietnam-Ethnologische Museum eine besondere Art der Pause – eine Reise durch die menschliche Vielfalt Vietnams. Hier erzählen die 54 ethnischen Gruppen des Landes ihre Geschichten durch Gegenstände, Klänge, traditionelle Häuser und alltägliche Gesten. Als Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Tradition und Moderne konzipiert, entführt das Museum seine Besucher in die lebendigen Kulturen, die die Identität Vietnams formen. Jeder Bereich lädt dazu ein, zu verstehen, zu fühlen und zu staunen über die Vielfalt eines vielschichtigen Landes, das aus Sprachen, Glaubensvorstellungen und jahrhundertealtem Know-how gewebt ist. Ein unverzichtbarer Besuch für jeden, der die Seele Vietnams wirklich berühren möchte.

1. Allgemeine Informationen über das Vietnam-Ethnologische Museum

Adresse: Nguyen Van Huyen Straße, Bezirk Cau Giay, Hanoi
Öffnungszeiten: 8:30–17:30 Uhr, täglich außer montags
Telefon: (+84) 24 3756 2193
E-Mail: information@vme.org.vn
Offizielle Website: Hier klicken, um mehr zu erfahren

Dieses emblematische Museum Hanois gehört zu den meistbesuchten kulturellen Einrichtungen der Hauptstadt. Es bietet Besuchern ein immersives Erlebnis im Herzen der Vielfalt der 54 ethnischen Gruppen Vietnams – durch eine umfangreiche Sammlung traditioneller Gegenstände, Trachten, handwerklicher Werkzeuge, rekonstruierter Wohnräume und interaktiver Ausstellungen.

Das in den 1990er Jahren konzipierte und 1997 offiziell eröffnete Vietnam-Ethnologische Museum hat sich zu einer der wichtigsten Institutionen zur Bewahrung ethnografischen Erbes entwickelt. Die Qualität seiner Ausstellungen und die Fülle an kulturellen Inhalten brachten ihm drei Jahre in Folge (2012, 2013, 2014) den 4. Platz unter den 25 besten Museen Asiens auf TripAdvisor ein – eine prestigeträchtige Anerkennung, die seine zentrale Rolle in der vietnamesischen Museumslandschaft bestätigt.

Eintrittspreise im Vietnam-Ethnologischen Museum

Der Besuch des Museums ist erschwinglich und für alle zugänglich, wobei verschiedene Ermäßigungen vorgesehen sind.

Eintrittspreise:

  • Erwachsene: 40.000 VND (~1,65 USD)

  • Ermäßigter Tarif (-50 %): 20.000 VND (~0,80 USD)
    für ältere Menschen und Personen mit leichten Behinderungen

Freier Eintritt für:

  • Kinder unter 6 Jahren

  • Personen mit schwerer Behinderung

  • Inhaber einer ICOM-Karte

  • Museumsmitglieder

  • Journalisten (mit gültigem Presseausweis)

  • Vertreter von Sponsoren

2. Geschichte des Vietnam-Ethnologischen Museums

Die Geschichte des Museums reicht in die 1980er Jahre zurück – eine Zeit, in der Vietnam noch stark von den Schwierigkeiten der Nachkriegszeit geprägt war. In diesem Kontext entstand die Idee, einen Ort zu schaffen, der sich der Bewahrung und Aufwertung der ethnischen Kulturen des Landes widmet. Trotz der wirtschaftlichen Herausforderungen wurde das Projekt von Forschern, Anthropologen und kulturellen Institutionen unermüdlich vorangetrieben.

Ein offizieller Beschluss – und eine symbolträchtige Einweihung

Am 24. Oktober 1995 wurde das Projekt durch die Entscheidung des vietnamesischen Premierministers offiziell. Nur zwei Jahre später, am 12. November 1997, öffnete das Museum anlässlich eines internationalen Ereignisses – dem Gipfeltreffen der Frankophonie in Hanoi – seine Türen im Beisein des französischen Präsidenten Jacques Chirac.

Dieser feierliche Moment markierte nicht nur die Einweihung des Museums, sondern auch die Anerkennung seiner strategischen Bedeutung für die Bewahrung des kulturellen Erbes Vietnams.

Ein lebendiges Kulturzentrum

Seit seiner Eröffnung hat sich das Museum zu einem kulturellen Referenzzentrum entwickelt – ein Ort der Forschung, Ausstellung und Vermittlung. Neben den permanenten Präsentationen beherbergt es jedes Jahr zahlreiche kulturelle und Bildungsaktivitäten, die seine zentrale Rolle im sozialen und kulturellen Leben des Landes stärken.

3. Architektur des Vietnam-Ethnologischen Museums

Die Architektur des Museums verbindet Tradition und Moderne und wurde so konzipiert, dass sie den Besuchern eine fließende, immersive und sinnvolle Erfahrung bietet. Das Gelände gliedert sich in drei Hauptbereiche:

Bauwerk Trong Dong (Bronzetrommel)

Eingang des Trong-Đong-Gebäudes
Innenatrium des Trong-Đong-Gebäudes

Das 1997 eingeweihte Trong-Dong-Gebäude ist der ursprüngliche Ausstellungskomplex. Es wurde vom Architekten Ha Duc Linh, einem Angehörigen der Tay-Minderheit, entworfen. Seine Inspiration schöpfte er aus der berühmten Dong-Son-Bronzetrommel, einem Symbol der antiken vietnamesischen Zivilisation.

  • Ausstellungsfläche: ca. 2.000 m² auf zwei Etagen

  • Hauptfunktion: Darstellung der Kultur der 54 ethnischen Gruppen durch Gegenstände, Bilder, Filme, Modelle und rekonstruierte Lebensräume

  • Architektur: schlicht, monumental, modern und dennoch tief in der Tradition verwurzelt

Das Design unterstützt eine harmonische Präsentation der ethnografischen Sammlungen, in einer Atmosphäre, die sowohl pädagogisch als auch immersiv ist. Jeder Raum erzählt die Geschichte eines Volkes – seiner Lebensweise, seines Glaubens, seiner Rituale und seiner handwerklichen Traditionen.

Bauwerk Südostasien (Drachenflügel-Gebäude)

Das 2013 eröffnete Gebäude Canh Dieu („Drachenflügel“) wurde von einem traditionellen Symbol der Völker Südostasiens inspiriert: dem Drachen, Träger von Freiheit, Träumen und Gemeinschaft.

Thematischer Schwerpunkt:

  • Kulturen Südostasiens und anderer Regionen Asiens

  • Internationale ethnografische Perspektiven

Architekturmerkmale:

  • Zeitgenössisch, leicht, symbolisch

  • Eindruck eines schwebenden, eleganten Drachen

Enthaltene Bereiche:

  • Permanente und temporäre Ausstellungen

  • Vorführsaal

  • Interaktive Räume für Bildung und Workshops

Dieses Gebäude bildet eine kulturelle Brücke zwischen Vietnam und der Welt – ein Ort des interkulturellen Dialogs und der globalen Perspektiven.

Architekturgarten

Der Architekturgarten im Freien gehört zu den eindrucksvollsten Bereichen des Museums. Auf mehr als 2 Hektar erstrecken sich authentische Nachbauten traditioneller Häuser von 10 ethnischen Gruppen Vietnams, errichtet aus Originalmaterialien und unter Anleitung einheimischer Handwerker.

Traditionelles E-De-Haus im Architekturgarten

Zu den wichtigsten Bauwerken gehören:

  • Das Langhaus der E-de

  • Das hohe Rông-Haus der Bana

  • Das Pfahlhaus der Tay

  • Das Begräbnishaus der Gia Rai

  • Weitere Häuser der Dao, Ha Nhi, Cham, Hmong, Co Tu …

Umgeben von tropischen Bäumen, gepflasterten Wegen und einem künstlichen Bach bietet dieser Bereich eine immersive kulturelle Erfahrung – ideal für Familien, Schulgruppen oder alle Besucher, die das ländliche Vietnam „in echt“ erleben möchten.

4. Ausstellungen im Vietnam-Ethnologischen Museum

So beeindruckend die Architektur des Museums auch ist – es sind vor allem die Ausstellungen, die einen tiefen Eindruck hinterlassen. Das Vietnam-Ethnologische Museum bietet eine außergewöhnliche Sammlung traditioneller Objekte aus den 54 ethnischen Gruppen Vietnams sowie aus anderen Kulturen Südostasiens.

Dauerausstellungen: Lebendige Zeugnisse der 54 ethnischen Gruppen Vietnams

Die Dauerausstellungen befinden sich hauptsächlich im Trong-Dong-Gebäude und erstrecken sich über zwei Etagen mit insgesamt rund 2.000 m². Sie sind in 12 thematische Bereiche gegliedert, die jeweils einer oder mehreren ethnischen Gruppen gewidmet sind.

Zu entdecken gibt es:

  • prachtvoll gewebte und bestickte traditionelle Trachten,

  • Alltagsgegenstände: Körbe, landwirtschaftliche Werkzeuge, Küchenutensilien,

  • Ritualobjekte: Masken, Altäre, Musikinstrumente, Amulette,

  • historische Archivfotos und dokumentarische Filme,

  • detailreiche Modelle traditioneller Architektur und Dörfer.

Besonders geschätzt ist die hochwertige Museumsdidaktik:
Alle Objekte sind mit Informationsschildern auf Vietnamesisch, Englisch und Französisch versehen. Zusätzlich stehen kostenlose Informationsbroschüren in mehreren Sprachen zur Verfügung.

Ausstellungen im Gebäude „Südostasien“

Ausstellungsraum im Gebäude Südostasien

Der Canh-Dieu-Komplex ergänzt die Sammlung mit Ausstellungen zu den Kulturen Südostasiens, darunter:

  • Indonesien

  • Thailand

  • Laos

  • Kambodscha

  • Myanmar

Mehrere Säle behandeln Querschnittsthemen wie:

  • Glaubenswelten und Lebenszyklen in Asien

  • der indonesische Schattentheaterstil Wayang

  • traditionelle Malerei auf Glas

  • transnationale Migrationen

Diese Perspektive zeigt, wie sehr Vietnam Teil eines breiteren kulturellen Raums ist – reich an Austausch, Parallelen und Verbindungen.

Architekturgarten: Traditionelle Häuser in Originalgröße

Im Freien präsentiert der Architekturgarten 10 traditionelle Häuser in realer Größe – jedes ein authentisches Beispiel ländlicher Architektur.

Besucher können:

  • die Häuser betreten,

  • die Strukturen und Materialien aus nächster Nähe betrachten,

  • mehr über Bauweisen in verschiedenen Regionen erfahren.

Traditionelles Rông-Haus der Bana

Der Garten bietet eine immersive Erfahrung, die das Verständnis der ländlichen Lebensweise in Vietnam unglaublich bereichert.

Temporäre Ausstellungen: Ein dynamisches Kulturprogramm

Das Museum organisiert regelmäßig Sonderausstellungen, die neue Perspektiven eröffnen und aktuelle Themen beleuchten.

Diese Ausstellungen widmen sich u. a.:

  • spezifischen Regionen Vietnams (z. B. dem Leben der Hmong im Norden),

  • religiösen Traditionen,

  • handwerklichen Praktiken (Textilkunst, Töpferei, Holzschnitzerei),

  • internationalen Kooperationen mit Museen in Asien und Europa,

  • ethnografischer Fotografie.

Das Museum ist damit auch ein wichtiger Akteur der kulturellen Diplomatie – sichtbar, offen und im ständigen Austausch mit der Welt.

Virtuelle Ausstellungen: Kultur im digitalen Zeitalter

Seit der Pandemie hat das Museum innovative digitale Inhalte entwickelt.

Zu den Online-Angeboten gehören:

  • 3D-Rundgänge durch ausgewählte Ausstellungen,

  • mehrsprachige Informationstexte,

  • Videos und Animationen,

  • digitalisierte Objekte, die sich um 360° drehen lassen.

Dieses digitale Angebot ermöglicht es jedem – ob in Vietnam oder im Ausland –, die Vielfalt der vietnamesischen Kultur zu entdecken.

5. Aktivitäten im Vietnam-Ethnologischen Museum

Neben den Ausstellungen bietet das Museum zahlreiche Aktivitäten, die den Besuch noch bereichernder machen.

In die Kultur der 54 ethnischen Gruppen eintauchen

Besucher lernen:

  • Lebensweisen,

  • Häuser und Architektur,

  • Rituale und Zeremonien,

  • traditionelle Kleidung,

  • Werkzeuge und Musikinstrumente

der ethnischen Gruppen kennen.
Filme, Audios und interaktive Medien ergänzen die Entdeckung und bieten eine sinnlich-immersive Erfahrung.

Vorführungen traditioneller Kunstformen

Wasserpuppentheater

Wasserpuppenshow im Museum

Das Museum organisiert regelmäßig Vorstellungen des traditionellen vietnamesischen Wasserpuppentheaters. Diese Aufführungen – besonders am Wochenende – helfen, Geschichten, Legenden und ländliche Szenen Vietnams lebendig werden zu lassen.

Workshops für traditionelles Handwerk

Besucher können an Workshops teilnehmen, die von erfahrenen Kunsthandwerkern geleitet werden:

  • Töpfern

  • Weben

  • Flechten (Bambus, Rattan)

Diese Aktivitäten vermitteln ein tiefes Verständnis der handwerklichen Praktiken, die bis heute das kulturelle Erbe der Volksgruppen bewahren.

Kulturelle Feste und Veranstaltungen

Erlebnis des Tet Kinh Bac im Museum

Das Museum feiert jedes Jahr große vietnamesische Feste, darunter:

  • Tet Nguyen Dan (Mondneujahr),

  • Mittherbstfest,

  • regionale Rituale und Volksfeste.

Die Veranstaltungen umfassen:

  • traditionelle Spiele,

  • Tanz- und Musikdarbietungen,

  • Kostümpräsentationen,

  • Verkostungen traditioneller Speisen.

Ein lebendiges Fest der Vielfalt!

Café & Restaurant des Museums

Truc-Lam-Café im Museumsbereich

Nach einem intensiven Rundgang kann man im Café entspannen und traditionelle vietnamesische Speisen probieren.

Die Atmosphäre ist ruhig und von viel Grün umgeben – ideal für eine Pause.

Souvenirs aus traditionellem Kunsthandwerk

Der Museumsshop bietet handgefertigte Artikel:

  • bestickte Textilien,

  • Holz- und Bambusarbeiten,

  • Schmuck,

  • dekorative Objekte.

Alle stammen aus Gemeinschaften in ganz Vietnam – ein fairer und authentischer Einkauf.

Wissenswertes vor dem Besuch des Vietnam-Ethnologischen Museums

Bevor Sie diesen bedeutenden kulturellen Ort Vietnams entdecken, sollten Sie einige einfache Regeln kennen, die Ihre Besichtigung angenehmer, respektvoll und bereichernd machen.

Praktische Hinweise und Verhaltensregeln

  • Beachten Sie die Öffnungszeiten: täglich von 8:30 bis 17:30 Uhr, außer montags.

  • Montags geschlossen: Planen Sie Ihren Besuch nicht an diesem Tag.

  • Angemessene Kleidung: Vermeiden Sie zu kurze oder unangemessene Outfits.

  • Fotogebühren entrichten: 50.000–500.000 VND, wenn Sie fotografieren möchten.

  • Keine Gegenstände berühren: weder in Ausstellungen noch in traditionellen Häusern.

  • Leise sprechen: Die Innenräume dienen der Konzentration und dem Respekt.

  • Kein Essen oder Trinken in den Gebäuden.

  • Folgen Sie den Anweisungen des Personals und respektieren Sie markierte Bereiche.

  • Bargeld mitbringen: für Eintritt, Souvenirs oder das Café (VND).

  • Nutzen Sie Workshops & Aufführungen: besonders an Wochenenden und Feiertagen.

  • Führungen reservieren: auf Französisch oder Englisch – am besten im Voraus.

  • Kinder einbeziehen: Das Museum bietet viele spielerische Aktivitäten für junge Besucher.

Fazit: Ein unverzichtbarer Ort zur Begegnung mit dem vielfältigen Vietnam

Für Reisende, die authentische Erlebnisse suchen, ist das Vietnam-Ethnologische Museum in Hanoi ein absolut essenzieller Halt. Weit über Landschaften oder kulinarische Entdeckungen hinaus ermöglicht dieses Museum einen tiefen Einblick in die kulturelle Vielfalt der 54 ethnischen Gruppen Vietnams.

Durch:

  • immersive Ausstellungen,

  • traditionelle Häuser in Originalgröße,

  • lebendige Workshops und Vorführungen,

  • sowie inspirierende Gärten unter freiem Himmel

eröffnet das Museum einen einzigartigen Zugang zur Seele des Landes.

Ob Sie sich für Geschichte interessieren, neugierig auf Traditionen sind oder einfach das reiche kulturelle Erbe Vietnams besser verstehen möchten – dieser Ort wird Ihre Reise nachhaltig bereichern.

Das Vietnam-Ethnologische Museum ist der perfekte Rahmen für eine tiefe kulturelle Begegnung, fernab der klassischen Touristenrouten. Zögern Sie nicht, es in Ihre Route in Hanoi aufzunehmen: Hier beginnt die wahre Begegnung mit dem pluralen Vietnam.

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