Das vietnamesische Haus – traditionelles Wohnhaus
Résumé du contenu
In Vietnam nimmt das traditionelle Haus einen zentralen Platz im täglichen Leben ein. Es ist ein Ort, an dem sich mehrere Generationen versammeln, an dem Mahlzeiten, Feste und wichtige Familienmomente geteilt werden. Ob aus Holz, Bambus, Lehm oder auf Pfählen erbaut – jedes Haus spiegelt den Lebensstil seiner Region und die Einfallsreichtum der Menschen wider, die es errichtet haben. Die traditionellen vietnamesischen Häuser kennenzulernen bedeutet, in die intimste Sphäre des Landes einzutreten und seine Beziehung zur Natur, zur Familie und zu jahrhundertealten Traditionen zu verstehen.
Ein Überblick über das traditionelle vietnamesische Haus
In einem Land voller Flüsse und Wasserwege ist die Architektur der vietnamesischen Häuser stark von dieser feuchten Umgebung geprägt. Menschen, die von den Wasserwegen leben – Fischer, Fährleute usw. – wohnen oft direkt auf ihren Booten. Diese Hausboote und Floßhäuser, in denen mehrere Familien leben, bilden schwimmende Dörfer und Fischersiedlungen.
Hunderte von Minderheitengruppen wohnen in Pfahlhäusern, um den regelmäßigen Überschwemmungen zu entgehen. Der englische Gesandte Finlayson beschrieb Anfang des 20. Jahrhunderts in Saigon „zahlreiche hochbeinige Häuser mit Holzfußböden, ordentlich entlang der Kanäle, Flüsse oder großen Straßen gebaut, geräumig und luftig.“ Das Pfahlhaus ist tatsächlich der in Vietnam am weitesten verbreitete Haustyp – in ländlichen Gebieten wie auch in den Bergregionen. Es schützt vor der feuchten Umgebung, vor plötzlichen Bergregenfällen und vor periodischen Überschwemmungen der Tieflandgebiete. Zudem hilft es, sich vor Insekten, Schlangen und Raubtieren (Parasiten, Reptilien, Tiger usw.) zu schützen.

Traditionelles vietnamesisches Haus in Hoi An
Prinzipien des vietnamesischen Hauses
Das Leben ist so eng mit Flüssen und Wasserläufen verbunden, dass selbst das Dach des vietnamesischen Hauses gebogen ist, um die Form eines Bootes nachzuahmen.
Die Formel “Nha cao, cua rong” – hohes Haus, breite Öffnungen – fasst die Grundprinzipien des vietnamesischen Hauses zusammen.
Was bedeutet „hohes Haus“?
Der Ausdruck „hoch“ hat zwei Bedeutungen:
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Der Eingang muss hoch über dem Boden liegen, um vor steigendem Wasser, Überschwemmungen, Feuchtigkeit und Insekten zu schützen.
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Die Deckenhöhe muss groß sein, um ein luftiges, frisches Raumvolumen zu schaffen, das die Hitze abmildert.
Ein steileres Dach erleichtert außerdem den Abfluss der oft heftigen Regenmengen und verhindert eine zu schnelle Abnutzung der Baumaterialien. Dieses Prinzip ist seit der Dong-Son-Zeit bis zu den Lehmbauten der jüngeren Geschichte konsequent befolgt worden.
Traditionelles vietnamesisches Haus
Warum breite, aber niedrige Öffnungen?
Obwohl die Häuser hoch gebaut werden, sind Türen und Fenster nicht hoch, sondern breit. Eine geringe Öffnungshöhe verhindert das Eindringen schräger Sonnenstrahlen und starker Regenböen.
Zusätzlich verwendet man Bambusflechtwände, um direkte und indirekte Sonneneinstrahlung abzuschirmen. Um die Wände weiter zu schützen, schafft man einen schattigen Bereich rund um das Fundament und verlängert das untere Ende des Daches – das sogenannte „giot gianh“ (Strohträufel) – weit über die Veranda hinaus. In manchen Pfahlhäusern der Berge reicht dieses Dach fast bis auf die Höhe des Fußbodens.
Pfahlhaus – traditionelle Architektur Vietnams, entworfen zum Schutz vor Überschwemmungen und Feuchtigkeit
Breite Öffnungen ermöglichen einen maximalen Luftdurchzug und sorgen so für Kühle. Oft bleibt im Giebel ein dreieckiger Spalt offen – im Volksmund „khu di“ genannt –, durch den Hitze und Kochrauch entweichen können. Diese kleine Öffnung bildet zusammen mit den niedrigeren Türen und Fenstern ein effektives Belüftungssystem.
Schutz vor schlechten Winden
Zugleich vermeidet man jedoch starke, direkte Luftströme. Aus Erfahrung richtet man Tor und Haustür niemals in einer Linie aus. Die Haustür muss in der Mitte liegen, das Tor versetzt. Auch darf der Weg zum Haus nie gerade und direkt führen.
Vor dem Haus pflanzt man Sträucher oder errichtet eine kleine Mauer, um den Wind abzulenken. Man glaubt, dass ein Wind, der direkt in das Haus hineinfährt, Krankheiten, Unfruchtbarkeit oder Tod bringe.
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