Die Stellung der vietnamesischen Frau in Vietnam
Résumé du contenu
Mit der Öffnung des Landes und der Globalisierung hat sich die vietnamesische Gesellschaft – wie viele andere weltweit – tiefgreifend verändert. Auch die Rolle der vietnamesischen Frau hat sich gewandelt, sowohl innerhalb der Familie als auch im beruflichen und öffentlichen Leben. Heute beschränkt sich die Frau nicht mehr nur auf häusliche Aufgaben: Sie beteiligt sich aktiv an der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Entwicklung des Landes. In diesem Artikel erfahren Sie, wie sich die Stellung der vietnamesischen Frau im Laufe der Zeit verändert hat – von ihrer traditionellen Rolle bis hin zu ihrer modernen Position in der heutigen Gesellschaft.
1. Urgeschichte: Ursprünge einer tendenziell matriarchalen Gesellschaft
Ihre zentrale Rolle in den Stämmen
Archäologische Funde deuten darauf hin, dass Frauen in Vietnam bereits im Jungpaläolithikum eine entscheidende Rolle spielten. Sie waren für das Sammeln, die Ernte, die Fortpflanzung und die Verteilung der Nahrung verantwortlich und trugen damit direkt zum Überleben der Gruppe bei. Diese soziale Organisation, oft als vor-matriarchal bezeichnet, verlieh den Frauen eine dominante Position und großen Respekt innerhalb der Stammesgemeinschaft – aufgrund ihrer wirtschaftlichen und lebenswichtigen Bedeutung.
Ihre wirtschaftliche und soziale Bedeutung
Während die Männer auf die Jagd gingen, sicherten die Frauen die Nahrungsgrundlage des Stammes und wirkten an wichtigen Entscheidungen mit. Aufgrund dieser wirtschaftlichen Autonomie genossen sie hohen sozialen Status und übten Einfluss innerhalb der Stammesstruktur aus. So kann man sagen, dass die vietnamesische Frau bereits in frühesten Zeiten das wirtschaftliche, soziale und familiäre Fundament der Gemeinschaft bildete – Symbol für Gleichgewicht und Kontinuität.
2. Zeit der chinesischen Herrschaft (111 v. Chr. – 938 n. Chr.)
111 v. Chr. – 1. Jahrhundert: Übergang vom Matriarchat zum Patriarchat
Mit der über tausendjährigen chinesischen Herrschaft wurde in Vietnam das konfuzianisch geprägte patriarchale Modell eingeführt. Die sozialen und familiären Strukturen veränderten sich grundlegend: Die Macht, die einst in vielen Gemeinschaften von Frauen mitgetragen oder ausgeübt wurde, ging zunehmend auf die Männer über. Damit endeten die letzten Spuren matriarchaler Organisationen.
2.–9. Jahrhundert: Einfluss des Konfuzianismus
Die chinesische Kultur führte eine strenge gesellschaftliche Hierarchie ein, die den Mann an die Spitze von Familie und Gesellschaft stellte. Unter konfuzianischem Einfluss wurde von Frauen erwartet, gehorsam, tugendhaft und ihrem Mann ergeben zu sein – gemäß der Doktrin der drei Gehorsamkeiten und vier Tugenden (tam tong tu duc). Dies bedeutete einen deutlichen Rückschritt für die weibliche Selbstbestimmung.
1.–3. Jahrhundert: Heldinnen des Widerstands
Trotz dieser Einschränkungen erhoben sich mehrere Frauen gegen die Unterdrückung. Am berühmtesten sind die Trưng-Schwestern (Trưng Trắc und Trưng Nhị), die zwischen 40 und 43 n. Chr. einen Aufstand gegen die Han-Dynastie anführten, sowie Trieu Thi Trinh (Bà Triệu) im Jahr 248. Sie gelten bis heute als Symbolfiguren des Widerstands und des Nationalstolzes.
3. Unabhängige feudale Zeit Vietnams (939–1884)
939–1400: Anhaltender Einfluss des Konfuzianismus
Nach der Unabhängigkeit unter Ngô Quyền blieb die Gesellschaft weiterhin stark konfuzianisch geprägt. Patriarchale Werte wurden unter den Dynastien Lý, Trần, Lê und Nguyễn noch verstärkt.
15. Jahrhundert: Der Hồng-Đức-Kodex
Dieser Gesetzeskodex der Lê-Dynastie gewährte Frauen Erbrechte und die Möglichkeit, Besitz zu halten. Er bot ihnen einen gewissen rechtlichen Schutz – ein Zeichen dafür, dass die vietnamesische Gesellschaft trotz patriarchaler Strukturen flexibler war als die chinesische.
16.–19. Jahrhundert: Alltag der Frauen
Die meisten Frauen blieben dennoch auf häusliche Tätigkeiten beschränkt und mussten den konfuzianischen Regeln folgen. Sie standen unter der Autorität des Vaters, des Ehemannes und später des Sohnes.
4. Kolonialzeit und Kriege (1858–1975)
1858–1954: Unter französischer Kolonialherrschaft
Die Einführung des westlichen Bildungssystems ermöglichte ersten Frauen den Zugang zur Schule und zu beruflichen Tätigkeiten. Ihr sozialer Status verbesserte sich leicht, besonders in den Städten.
1945–1954: Nach der Augustrevolution
Die Verfassung von 1946 erkannte die Gleichberechtigung von Männern und Frauen offiziell an. Frauen erhielten Zugang zu politischen, wirtschaftlichen und sozialen Funktionen.
1954–1975: Während der Kriege
Frauen spielten eine Schlüsselrolle in der Unabhängigkeitsbewegung. Sie halfen nicht nur im Hinterland, sondern kämpften auch direkt an der Front. Ihr Mut machte sie zu Nationalheldinnen.
5. Moderne Zeit (seit 1975)
1975–1985: Nach der Wiedervereinigung
Frauen beteiligten sich aktiv an der Wiederaufbauarbeit in Landwirtschaft, Industrie, Bildung und Gesundheitswesen.
1986–2000: Đổi Mới – Zeit des Wandels
Mit der Öffnung des Landes entstanden neue wirtschaftliche Chancen. Viele Frauen wurden Unternehmerinnen oder übernahmen Führungspositionen.
Seit 2000: Die moderne vietnamesische Frau
Heute sind vietnamesische Frauen besser ausgebildet, unabhängiger und in allen Bereichen präsent – von Wissenschaft und Kultur bis Politik und Technologie. Die familiären Rollen werden ausgewogener, auch wenn die Hausarbeit weiterhin überwiegend von Frauen getragen wird.
Schlussgedanke
Im Laufe der Geschichte hat die vietnamesische Frau eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen – von der zentralen Figur der urzeitlichen Stammesgemeinschaften über die Heldinnen des Widerstands bis hin zur modernen, unabhängigen Frau des 21. Jahrhunderts. Sie verkörpert gleichzeitig traditionelle Werte und moderne Ambitionen, und bleibt ein wesentlicher Pfeiler der vietnamesischen Gesellschaft und ihres Fortschritts.
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