Die vietnamesische Familie
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Die Familie ist das erste soziale Umfeld eines Menschen. Hier sammelt er Informationen, bildet Gewohnheiten, entwickelt sein Verständnis von der Welt – und vor allem seine Werte. Um die Wesenszüge eines Vietnamesen zu verstehen, muss man die vietnamesische Familie verstehen.

Die vietnamesische Familie während des Têt-Festes
Mitglieder der traditionellen vietnamesischen Familie
Eine traditionelle Familie umfasst meist 4 bis 8 Personen: entweder zwei Generationen (Eltern und Kinder) oder drei Generationen (mit den Großeltern). In der Geschichte – besonders in aristokratischen Familien – lebten mitunter vier bis fünf Generationen unter einem Dach. Diese Struktur spiegelt jedoch eher den Einfluss des Konfuzianismus wider als die ursprünglichen vietnamesischen Traditionen.
Das heute verbreitete Patriarchat ist ebenfalls ein deutliches Erbe konfuzianischer Vorstellungen. Dennoch ist die vietnamesische Form des Patriarchats weit milder und nachsichtiger als die chinesische. Neben seiner Autorität hat der Vater auch klare Pflichten: Er trägt die finanzielle Verantwortung der Familie, schützt sie, erzieht die Kinder, ernährt sie und dient ihnen als moralisches Vorbild.
Die zentrale Rolle der Mutter in der vietnamesischen Familie
Die Mutter nimmt in der vietnamesischen Familie einen herausragenden und hoch angesehenen Platz ein. Laut E. Luro in seinem Werk „Le pays d’Annam“ genießt die vietnamesische Frau in der traditionellen Gesellschaft ein höheres Ansehen als die chinesische.
Anders als im konfuzianischen System, in dem der älteste Sohn nach dem Tod des Vaters die Familienautorität übernimmt, wird in vielen vietnamesischen Familien die Mutter zur zentralen Autorität: Sie verkörpert Stabilität, Weisheit und die Weitergabe familiärer Werte.
In der vietnamesischen Kultur liegt die Erziehung der Kinder hauptsächlich in der Verantwortung der Mutter. Ein bekanntes Sprichwort sagt:
„Con hư tại mẹ, cháu hư tại bà“
Ein ungezogenes Kind ist die Schuld der Mutter, ein ungezogener Enkel die der Großmutter.
Dieses Sprichwort zeigt die moralische und pädagogische Verantwortung der Frauen im Haushalt.
Auch in der Ehe genießt die vietnamesische Frau großen Respekt. Sie gilt als unverzichtbare Partnerin für den Erfolg des Mannes. Ein weiteres Sprichwort betont:
„Của chồng, công vợ“
Der Wohlstand des Mannes beruht auf der Arbeit und den Opfern der Frau.
Die Frau ist somit nicht nur Ehefrau und Mutter, sondern die stille, kraftvolle Basis für Harmonie und Wohlstand der Familie.
Eine eng verbundene Familie
Die Beziehung zwischen Eltern und Kindern ist in der vietnamesischen Familie besonders stark. Kindliche Pietät ist der wichtigste Wert – nicht nur in der Familie, sondern in der gesamten Gesellschaft. Es ist selbstverständlich, dass Eltern im Alter bei einem ihrer Kinder leben, damit dieses sich um sie kümmern kann. Eine ältere Person im Haus zu haben, gilt als großer Segen.
Der berühmte Komponist Trần Tiến schrieb einmal:
Alle weltlichen Erfolge sind nichts wert, wenn die Eltern nicht an unserer Seite sind.
Auch die Geschwisterbindung ist tief verwurzelt. Der ältere Bruder trägt Verantwortung für seine jüngeren Geschwister, insbesondere wenn die Eltern nicht mehr leben. Die Vietnamesen betrachten es als moralische Pflicht, ihren Geschwistern zu helfen, wenn sie dazu in der Lage sind. Ein bekanntes Sprichwort sagt:
„Sảy cha còn chú, sảy mẹ bú dì“
Stirbt der Vater, bleibt der Onkel; stirbt die Mutter, sorgt die Tante.
Fazit
Die Familie ist einer der wichtigsten Werte im alltäglichen und spirituellen Leben der Vietnamesen. Sie spiegelt sowohl den Einfluss des Konfuzianismus als auch die tief verwurzelten traditionellen Werte der vietnamesischen Kultur wider.
Wenn auch Sie als Familie Vietnam entdecken möchten, lassen Sie sich von unseren Reiseideen für Familien inspirieren!
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