Karaoke in Vietnam

In Vietnam gehört das Singen im Karaoke zum Alltag. In den Städten wie auch auf dem Land gibt es überall Karaokeräume, Cafés oder sogar Privathäuser, in denen sich die Menschen treffen, um gemeinsam zu singen. Nach einem Arbeitstag oder am Wochenende ist es eine der beliebtesten Freizeitaktivitäten der Vietnamesen.

Hier bedeutet Singen nicht nur Unterhaltung. Es ist ein Moment der Geselligkeit, ein Ausdruck von Emotionen und eine Möglichkeit, die Beziehungen zwischen Freunden, Kollegen oder Familienmitgliedern zu stärken. Das Karaoke, ursprünglich aus Japan, hat in Vietnam eine neue Seele gefunden: eine volkstümliche Tradition voller Freude, Herzlichkeit und Einfachheit.

Karaoke zu singen ist heute ein fester Bestandteil der vietnamesischen Kultur.

Ursprung des Karaokes: von Japan nach Vietnam

Das Karaoke hat seinen Ursprung in Japan zu Beginn der 1970er-Jahre. Ein Musiker aus Kobe, Daisuke Inoue, hatte die geniale Idee, ein Gerät zu erfinden, das aufgezeichnete Musik abspielte, damit die Gäste einer Bar ihre Lieblingslieder selbst singen konnten. Das Wort Karaoke stammt aus zwei japanischen Begriffen:

  • kara (空), „leer“

  • okesutora (オーケストラ), die Lautschrift des englischen Wortes orchestra

Der Ausdruck bedeutet also wörtlich „leeres Orchester“, was eine musikalische Begleitung ohne Musiker beschreibt. Dieses spielerische und partizipative Konzept verbreitete sich schnell in ganz Japan und später in ganz Asien.

In den 1990er-Jahren hielt Karaoke erstmals in Vietnam Einzug – zunächst in großen Hotels und privaten Clubs der wohlhabenden städtischen Kreise. Sein Erfolg war unmittelbar: Innerhalb weniger Jahre wurde es demokratisiert und eroberte alle sozialen Schichten, bis es schließlich zu einem Volkssport wurde.

Heute findet man Karaoke überall im Land: in Großstädten, in Arbeitervierteln oder in entlegenen Dörfern. Die Vietnamesen lieben es, sich um ein Mikrofon zu versammeln, gemeinsam zu singen, zu lachen und fröhliche Momente zu teilen. Singen gehört hier zum Leben – genauso wie gemeinsam essen oder Geschichten nach Feierabend.

Warum ist Karaoke in Vietnam so beliebt?

Der Erfolg des Karaokes hängt sicherlich mit dem geselligen und herzlichen Charakter der Vietnamesen zusammen. Sie lieben Musik und Momente, die man mit Freunden oder der Familie teilt. Karaoke bringt die Generationen zusammen: Die Älteren wählen oft sanfte, nostalgische Lieder, während die Jüngeren moderne Popmusik bevorzugen. Doch alle singen mit derselben Freude.

Für viele ist Singen eine Art, Gefühle freizusetzen. Vietnamesen legen viel Herz in die Texte – ob fröhlich oder melancholisch. Man singt, um sich leicht zu fühlen, um etwas auszudrücken, das man sonst nicht sagen würde. Manchmal reicht ein einziges Lied aus, um zwei Fremde einander näherzubringen oder einen schwierigen Tag zu mildern.

Karaoke ist auch deshalb beliebt, weil es einfach und zugänglich ist. Man kann überall singen: in ausgestatteten Bars, in kleinen Cafés oder sogar zu Hause mit einem Fernseher und einem Mikrofon. In manchen Dörfern stellt man Lautsprecher auf den Dorfplatz, damit alle gemeinsam singen können. Ein wenig Musik genügt – und die gute Stimmung kommt von selbst.

Mit der Zeit wurde Karaoke zu einer Lebensgewohnheit. Es begleitet Treffen mit Freunden, Familienfeiern oder das Tết-Fest, das vietnamesische Neujahr. Es verbindet die Generationen und gibt jedem Raum, sich frei auszudrücken.

Karaoke ist so präsent im vietnamesischen Leben, weil es den Geist des Landes widerspiegelt: herzlich, unkompliziert und gemeinschaftlich. Es ist ein Moment des Teilens, in dem Unterschiede verschwinden und die Musik alle miteinander verbindet.

Wenn Freude zu Lärm wird

In Vietnam liebt jeder das Singen, aber Karaoke kann manchmal die Ruhe der Nachbarn stören. In Großstädten wie Hanoi oder Ho-Chi-Minh-Stadt häufen sich Beschwerden über den Lärm von Karaokebars oder privaten Anlagen. Oft ertönen Lieder bis spät in die Nacht – sogar mitten in der Woche.

Aus diesem Grund haben die lokalen Behörden Maßnahmen ergriffen. Es gibt nun klare Vorschriften bezüglich Lautstärke und Öffnungszeiten von Karaokeeinrichtungen. Das Dekret 144/2021/NĐ-CP legt Bußgelder für Privatpersonen und Geschäfte fest, deren Musik in Wohngebieten die erlaubten Grenzen überschreitet.

Diese Maßnahmen sollen das tägliche Leben der Bewohner schützen, ohne das Karaoke als kulturelle Praxis einzuschränken. Die Herausforderung besteht darin, ein Gleichgewicht zwischen Freude und Rücksichtnahme zu finden, damit die Musik weiterhin verbindet, ohne zu stören.

Karaoke – ein vietnamesischer Lebensstil

In Vietnam gehört Karaoke einfach zum Leben. Man singt, um zu entspannen, um zu lachen, oder um einen schönen Moment mit seinen Liebsten zu teilen. In Häusern, Cafés oder kleinen Gassen reicht ein Mikrofon, ein paar Freunde und ein bekanntes Lied – und schon ist die Stimmung da.

Es ist eine fröhliche Gewohnheit, die Generationen verbindet und Erinnerungen schafft. Karaoke ist hier nicht nur ein Spiel: Es ist eine Art, zusammen zu sein, Musik zu teilen und den Moment zu genießen. Vielleicht liegt genau darin der Charme Vietnams – in dieser Fähigkeit, aus einem einfachen Lied ein kleines gemeinsames Glück zu machen.

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