Reis in Vietnam: Eine uralte und heilige Kultur
Résumé du contenu
In Vietnam ist Reis weit mehr als ein einfaches Grundnahrungsmittel. Er steht im Zentrum des täglichen Lebens, der Traditionen und der gesamten Wirtschaftsstruktur des Landes. Er ist in jeder Mahlzeit präsent – vom Frühstück bis zum Abendessen – und begleitet die Vietnamesen ein Leben lang: von der frühen Kindheit über familiäre Feste und religiöse Zeremonien bis hin zu Trauerriten. Reis findet sich auch in Sprichwörtern, Legenden und in unzähligen Gesten des Alltags. Doch Reis prägt nicht nur die Lebensgewohnheiten – er formt auch die Landschaften. Von den Reisterrassen im Norden bis zu den weiten Ebenen des Mekong-Deltas wird er in allen Regionen angebaut, mit teils jahrhundertealten, teils modernen Methoden. Diese enge Verbindung zwischen Erde, Wasser und Mensch hat Vietnam zum drittgrößten Reisexporteur der Welt gemacht – hinter Indien und Thailand.
In diesem Artikel möchten wir Ihnen die ganze Vielfalt des vietnamesischen Reises vorstellen: seine kulturelle Bedeutung, die wichtigsten Anbaugebiete, die zahlreichen Reissorten, seine Rolle in der vietnamesischen Küche und seinen Einfluss auf den internationalen Handel. Denn in Vietnam trägt jedes Reiskorn eine Geschichte, ein Wissen und eine nationale Stolztradition in sich.
Der Reisanbau in Vietnam

In Vietnam wird Reis in allen Regionen des Landes angebaut – in landwirtschaftlichen Landschaften, die ebenso vielfältig wie beeindruckend sind.

Im Süden ermöglicht das fruchtbare Mekong-Delta mit seinem dichten Netz aus Kanälen bis zu drei Ernten pro Jahr. Dieses Gebiet bildet das Herz der nationalen Reisproduktion. Weiter nördlich bietet das Delta des Roten Flusses ähnliche Bedingungen, wenn auch etwas weniger intensiv.
In den Bergregionen des Nordens – etwa in Sapa, Ha Giang oder Mu Cang Chai – erlaubt das steile Terrain keinen klassischen Nassreisanbau. Dort entwickelten ethnische Minderheiten schon vor Jahrhunderten ein raffiniertes System von Reisterrassen, die sich an Berghänge schmiegen. Diese berühmten Landschaften zeugen nicht nur von Schönheit, sondern auch von einer bemerkenswerten Anpassungsfähigkeit an die Natur.
Die Anbaumethoden variieren je nach Region. In den Ebenen nimmt die Mechanisierung zu, was das Pflügen, Pflanzen und Ernten erleichtert. Doch in ländlichen und bergigen Gebieten bleibt die Arbeit weitgehend Handarbeit. Reis wird oft von Hand gepflanzt, umgesetzt und geerntet – in Schlamm und Hitze, mit großer Präzision. Diese Arbeit wird von Generation zu Generation weitergegeben.
Der Reisanbau folgt weiterhin dem Rhythmus der Jahreszeiten, den Flussüberschwemmungen und dem Mondkalender. Für Millionen Vietnamesen ist er nicht nur ein Beruf, sondern eine Lebensweise und ein lebendiges Erbe.
Die verschiedenen vietnamesischen Reissorten
Die Vielfalt der Reissorten in Vietnam spiegelt die reichen Böden und die kulinarische Kultur des Landes wider. Je nach Region, Tradition und Bodenbeschaffenheit werden zahlreiche Sorten angebaut – jede mit eigener Textur, eigenem Aroma und eigenen Verwendungszwecken.

Gao te – der alltägliche Reis
Der am weitesten verbreitete Reis ist gao te, die Basis praktisch jeder Mahlzeit. Einige Sorten sind besonders geschätzt, etwa:
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Tam Xoan Hai Hau – feines Korn, leicht duftend
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Bac Huong – weich und aromatisch
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Tai Nguyen – ertragreich und vielseitig
Riz ST25 – das Aushängeschild Vietnams
Der Parfumeur-Reis ST25, aus der Provinz Soc Trang, wurde 2019 und 2023 zum besten Reis der Welt gekürt. Mit seinem natürlichen Aroma, seiner Leichtigkeit und perfekten Konsistenz gilt er als Symbol des vietnamesischen Qualitätsanbaus.
Gao nep – Klebreis
Klebreis (gao nep) wird vor allem für festliche Speisen und Süßigkeiten verwendet. Er ist Grundlage für:
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xoi – gedämpfter Klebreis, süß oder herzhaft
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banh chung und banh tet – typische Neujahrskuchen
Beliebte Sorten sind u. a.:
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Nep cai hoa vang – mild und duftend
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Nep Sap Ngong – weich und cremig
Gao lut – Vollkornreis
Vollkornreis erfährt zunehmende Beliebtheit. Sorten wie:
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Huyet Rong (rote Farbe)
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Tim Than (dunkelviolett)
sind reich an Ballaststoffen, Mineralien und Antioxidantien und werden häufig in gesundheitsbewussten Ernährungsformen verwendet.

Reis in der vietnamesischen Küche
In Vietnam gilt: „Eine Mahlzeit ohne Reis ist keine richtige Mahlzeit.“
Das zeigt seine zentrale Rolle in der Ernährung und Kultur.
Com trang – gedämpfter weißer Reis
Er begleitet jedes traditionelle Gericht – Gemüse, Fleisch oder Fisch.
Com Tam – gebrochener Reis
Eine Spezialität des Südens, serviert mit:
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gegrilltem Schweinefleisch
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Spiegelei
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gedämpftem cha trung
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eingelegtem Gemüse
Xoi – Klebreis für Alltag und Feste
Es gibt unzählige Varianten:
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salzig (mit Huhn, Paté, Schalotten)
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süß (mit Mais, Bohnen, Kokosnuss)
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festlich wie xoi ngu sac (fünffarbiger Klebreis)
Com lam – Klebreis im Bambusrohr
Eine bergregionale Spezialität mit einzigartigem Rauch- und Bambusaroma.
Nudeln aus Reismehl
Reis zeigt sich auch als Nudel – Grundlage vieler Klassiker:
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pho
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bun cha
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hu tieu
Reiskuchen und Desserts
Viele traditionelle Süßspeisen bestehen aus Reis oder Klebreis:
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banh cuon
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banh bo
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banh duc
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banh da lon
Reis begleitet das Leben der Vietnamesen in jeder Form – als Nahrung, als Symbol, als kulturelles Erbe.
Schlusswort
In Vietnam trägt jedes Reiskorn die Erinnerung an landwirtschaftliche Traditionen, familiäre Weitergabe und die enge Verbindung zwischen Mensch und Erde. Reis strukturiert die Mahlzeiten, begleitet Rituale, verbindet Regionen und Generationen. Ob gedämpft, gebrochen, klebrig, als Nudeln oder als Kuchen – Reis prägt die vietnamesische Kultur tief und dauerhaft. Wer seine Bedeutung versteht, kommt dem Wesen Vietnams ein großes Stück näher.
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