Top 10 Tet-Bräuche der ethnischen Minderheiten im Nordwesten Vietnams

Das Têt-Fest, das vietnamesische Neujahr, ist weit mehr als nur eine Feier: Es ist ein Moment des Neubeginns und der Spiritualität, tief verwurzelt in der Kultur des Landes. Während diese Zeit für alle Vietnamesen ein familiäres Zusammensein und die Pflege traditioneller Werte bedeutet, offenbart sie zugleich eine faszinierende Vielfalt durch die Têt-Bräuche der ethnischen Minderheiten Vietnams.

Mit einzigartigen Ritualen und jahrhundertealten Praktiken drückt jede Gemeinschaft ihre eigene Vorstellung vom Têt aus und offenbart damit ein reiches und authentisches Kulturerbe. Diese Bräuche, über Generationen hinweg weitergegeben, spiegeln eine tiefe Verbundenheit mit der Natur, die Verehrung der Ahnen und eine Spiritualität wider, die in alten Glaubensvorstellungen verwurzelt ist.

Dieser Blog lädt Sie zu einer Reise in diese faszinierenden Traditionen ein. Entdecken Sie, wie die Têt-Bräuche der ethnischen Minderheiten im Nordwesten Vietnams mit ihren kulturellen Nuancen ein lebendiges Erbe bewahren – ein Spiegel der Seele des Landes. Eine Reise in eine Welt voller Spiritualität und Menschlichkeit, in der jedes Detail die Tiefe und Schönheit der vietnamesischen Identität offenbart.

Rotes Papier bei den Nùng

Zum Têt-Fest schmücken die Nùng-Dörfer ihre Häuser und Werkzeuge mit leuchtend rotem Papier – einer Farbe voller Bedeutung. Rot symbolisiert Freude, Wohlstand und die lebensspendende Energie der Sonne (Yang). Die Tradition ist jedoch nicht rein dekorativ: Sie ist ein Akt der Dankbarkeit gegenüber landwirtschaftlichen Werkzeugen, die als unverzichtbare Gefährten im täglichen Leben betrachtet werden. Pflug, Hacke oder Schaufel werden gereinigt, verziert und für die Festtage „zur Ruhe“ gelegt – ebenso wie ihre Besitzer.

Am letzten Tag des Mondjahres stehen die Nùng im Morgengrauen auf, um Türrahmen, Altäre und Werkzeuge mit roten Papierschnitten zu schmücken. Die Muster – Blumen, fliegende Vögel oder schwimmende Fische – symbolisieren Glück und Wohlstand und zeugen zugleich vom handwerklichen Geschick der Bewohner.

Diese Tradition folgt der Vorstellung, dass Harmonie zwischen Haus, Natur und spirituellen Kräften entscheidend ist, um ein erfolgreiches neues Jahr zu gewährleisten.

Das „Têt der Tänze“ bei den Dao

Für das Volk der Dao ist Têt mehr als ein Neujahrsfest – es ist ein spirituelles Wiedererwachen. Im Mittelpunkt steht das Tết Nhảy, ein bedeutungsvoller ritueller Tanz, der Ausdauer, Hingabe und die Hoffnung auf ein gutes Jahr widerspiegelt.

Die Tänzer tragen farbenprächtige traditionelle Gewänder und bewegen sich im rhythmischen Klang von Trommeln und Glocken. Sie tanzen über viele Stunden hinweg, mit kurzen Pausen, um ihre Kräfte wiederzufinden. Diese körperlich fordernde Tradition gilt auch als Vorbereitung auf die harte landwirtschaftliche Arbeit des kommenden Jahres.

Jede Bewegung, jeder Trommelschlag drückt Dankbarkeit gegenüber der Natur und den Ahnen aus. Die Tänze sind Gebete um reiche Ernten, fruchtbare Böden und gesundes Vieh. Das Tết Nhảy stärkt die Gemeinschaft und bewahrt die kulturelle Identität der Dao – ein kraftvolles Ritual des Neubeginns.

Seelenruf bei den Thái

Bei den Thái erstrecken sich die Têt-Feierlichkeiten vom 25. Tag des letzten Mondmonats bis zum 10. Tag des neuen Jahres. Eines der wichtigsten Rituale ist der Seelenruf, der an den letzten beiden Abenden des Jahres stattfindet.

Für dieses Ritual bereitet jede Familie zwei Hühner vor: eines für die Ahnen, eines zur Rückholung der Seelen der Familienmitglieder. Der Schamane bindet Kleidungsstücke aller Angehörigen zusammen, legt sie über seine Schulter und ruft die Seelen am Dorfeingang zurück. Danach bindet er jedem ein schwarzes Armband um – ein Schutz gegen böse Geister.

Die Thái halten in dieser Nacht auch eine wache Gemeinschaftsfeier ab („Pông Chay“): Man bleibt zusammen am Feuer, unterhält sich, isst gemeinsam und wartet auf den Jahreswechsel. Die Lichter bleiben an, der Weihrauch brennt durchgehend und das Schlagen eines Gongs kündigt das nahende neue Jahr an.

Am Neujahrsmorgen holen die Familien frisches Flusswasser – Symbol für Reinheit und Glück. Am Nachmittag waschen sich alle die Haare, um Sorgen und Unglück des alten Jahres abzustreifen.

Der Wasserschalen-Kult und das Feuersprung-Fest der Pà Thẻn

Eine zentrale Tradition der Pà Thẻn ist der Kult um eine Schale mit klarem Wasser, die das ganze Jahr über auf dem Familienaltar steht. In der Silvesternacht wird die Schale heimlich geöffnet, das Wasser für Reinigungsrituale verwendet und durch frisches Wasser ersetzt – ein Akt des spirituellen Neuanfangs.

Parallel dazu findet das spektakuläre Feuersprung-Fest statt. Rund um ein großes Feuer versammeln sich die Dorfbewohner, während der Schamane Trommeln schlägt und die jungen Männer in Trance versetzt. Einige springen in die Flammen oder halten glühende Kohlen – ohne Verbrennungen davonzutragen. Dieses eindrucksvolle Ritual symbolisiert Mut, Reinheit und die Verbindung zwischen Mensch und Feuergeist.

„Raub der Hahnenschreie“ bei den Pu Péo

Die Pu Péo feiern Têt mit einem ungewöhnlichen Ritual: dem „Raub der Stimme des Hahns“. Sobald der erste Hahn am Morgen kräht, zünden die Dorfbewohner einen Knallkörper im Hühnerstall. Die überraschten Hähne krähen laut – und genau in diesem Moment singen die Dorfbewohner gemeinsam, um den Hahnenschrei symbolisch zu „überstimmen“ und sich seine erneuernde Energie anzueignen.

Für die Pu Péo ist der Hahnenschrei ein heiliger Ruf an die Sonne. Wer ihn übertönt, wird mit Glück und einem starken „Lebensruf“ für das kommende Jahr gesegnet.

Ruf der Büffelseelen bei den Mường

Die Mường fertigen einige Tage vor Têt Holzglöckchen an, um in der Silvesternacht die „Seelen der Büffel“ zu rufen. Bei Fackelschein danken sie den Büffeln – unverzichtbare Helfer in der Landwirtschaft – für ihre Dienste im vergangenen Jahr. Werkzeuge werden zudem mit Reiskuchen verziert, als symbolische Einladung, am Fest teilzunehmen und sich ebenfalls auszuruhen.

Leberwahrsagung bei den Hà Nhì

Für die Hà Nhì ist das Schlachten eines Schweins zu Têt ein unverzichtbares Ritual. Der Zustand der Schweineleber wird sorgfältig untersucht, um das Glück und den Wohlstand des neuen Jahres vorherzusagen: Eine gesunde, gut durchfettete Leber verspricht reiche Ernten und familiäre Harmonie.

Zusätzlich bereiten die Hà Nhì traditionelle Kuchen für die Ahnenopfer vor – Ausdruck von Dankbarkeit und spiritueller Verbundenheit.

„Glücksdiebstahl“ bei den Lô Lô

Die Lô Lô glauben, dass das heimliche Mitnehmen kleiner Gegenstände am Silvesterabend Glück bringt. In Đồng Văn „stehlen“ sie zwölf Objekte (für die zwölf Monate), in Mèo Vạc drei Knoblauchzehen oder Gemüseblätter. Diese symbolische Handlung soll Glück und Wohlstand für das kommende Jahr sichern.

„Hüftberührung“ bei den H’Mông

Bei den H’Mông gehört ein besonderer Liebesbrauch zu den Têt-Feierlichkeiten:
Wenn ein junger Mann Zuneigung zu einem Mädchen empfindet, berührt er sanft ihre Hüften – ein diskretes, aber bedeutendes Signal. Wenn das Mädchen den Gestus akzeptiert, verbringen beide Zeit miteinander, reden und lernen sich näher kennen.

Ein zarter, poetischer Ausdruck von Liebe und Tradition.

Haarwasch-Fest der weißen Thái

Am Mittag des letzten Tages des Mondjahres versammeln sich die weißen Thái an den Flussufern, um ihre Haare mit fermentiertem Reissud zu waschen.

Dieses rituelle Bad reinigt symbolisch von Unglück und negativen Energien des vergangenen Jahres. Mit jedem Tropfen, der über das Haar rinnt, formulieren sie Wünsche für Gesundheit, Frieden und Wohlstand.

Schlussgedanke

Die Têt-Bräuche der ethnischen Minderheiten Vietnams sind lebendige Zeugnisse kultureller Tiefe und spiritueller Verbundenheit. Jeder Ritus – ob Feuersprung, Ahnenruf, Liebesgesten oder Opfergaben – verkörpert Dankbarkeit, Harmonie und Gemeinschaftssinn.

Diese Traditionen bewahren ein jahrhundertealtes Erbe und öffnen zugleich ein Fenster zu den zeitlosen Werten der vietnamesischen Bergvölker – Schönheit, Respekt und die tiefe Verbundenheit zwischen Mensch, Natur und Ahnen.

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