Das Heiligtum von My Son – eine mystische Stätte im UNESCO-Welterbe

Rund 40 km von Hoi An entfernt gilt das Heiligtum von My Son als eine der bedeutendsten historischen Stätten Vietnams. In einem von Hügeln und Dschungel umgebenen Tal gelegen, war es fast zehn Jahrhunderte lang das religiöse Zentrum des Königreichs Champa. Die Anlage umfasst mehr als 70 Ziegeltempel und Türme, die zwischen dem 4. und 13. Jahrhundert errichtet wurden – hauptsächlich zu Ehren hinduistischer Gottheiten wie Shiva. Als UNESCO-Welterbe beeindruckt My Son mit seiner natürlichen Umgebung, seinen uralten Ruinen und seiner mystischen Atmosphäre. Weniger bekannt als Angkor, bietet es dennoch ein einzigartiges Erlebnis fernab des Massentourismus. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie das Heiligtum besuchen, was es dort zu sehen gibt, wann sich ein Besuch am meisten lohnt und warum My Son eine unverzichtbare Station auf Ihrer Vietnamreise ist.

Wo liegt My Son in Vietnam?

Öffnungszeiten: täglich von 6:30 bis 17:00 Uhr
Eintrittspreis: ca. 150.000 VND (~6 €)
Empfohlene Besuchsdauer: 2,5–4 Stunden

My Son liegt in der Gemeinde Duy Phu im Bezirk Duy Xuyen der Provinz Quang Nam in Zentralvietnam. Die Stätte befindet sich etwa 40 km südwestlich von Hoi An und 50 km von Danang entfernt – also rund eine Stunde Fahrt von beiden Städten aus. In der Nähe liegt Tra Kieu, die ehemalige Hauptstadt des Champa-Reiches, was die historische Bedeutung der Region zusätzlich unterstreicht.

Das Heiligtum von My Son

In einem engen, von dicht bewachsenen Bergen umgebenen Tal gelegen, umfasst My Son ein Ensemble von Cham-Tempeln, die zwischen dem 4. und 13. Jahrhundert errichtet wurden. Als eines der Meisterwerke der religiösen Architektur der Cham bestand der Komplex in seiner Blütezeit aus mehr als 70 Ziegel- und Steintürmen, von denen viele trotz Kriegsschäden und Verfall erhalten geblieben sind.

Wann sollte man My Son besuchen?

Grundsätzlich ist das Heiligtum das ganze Jahr über zugänglich, doch einige Jahreszeiten eignen sich deutlich besser. Die angenehmsten Monate sind der Frühling (Februar–April) und der Herbst (August–Oktober), wenn die Temperaturen mild bis warm sind, die Luftfeuchtigkeit erträglich bleibt und es weniger regnet.

Im Sommer hingegen – besonders von Juni bis August – kann die Hitze ab Sonnenaufgang erdrückend sein, oft über 35 °C. Da es auf dem Gelände kaum Schatten gibt, kann der Besuch schnell anstrengend werden. Auch die Regenzeit (Oktober–Dezember) erschwert mit starken Regenschauern und rutschigen Wegen die Erkundung.

Die beste Zeit für einen Besuch ist früh am Morgen, idealerweise um 6:30 oder 7:00 Uhr zur Öffnung des Geländes. Dann ist es noch kühl und ruhig, bevor ab 9 Uhr die Ausflugsgruppen eintreffen. Außerdem sorgt das Morgenlicht für besonders schöne Fotos der alten Ziegelsteine und der friedlichen Atmosphäre.

Wie besucht man das Heiligtum von My Son?

Mit dem Motorroller – für unabhängige Reisende

Die flexibelste und günstigste Option. Die Fahrt dauert etwa 1:15–1:30 Stunden. Die Straßen sind weitgehend gut, aber stellenweise staubig. Ein GPS ist erforderlich. Ideal für Reisende, die das ländliche Umland in ihrem eigenen Tempo entdecken wollen.

Als Gruppenausflug mit einem lokalen Veranstalter

Viele Agenturen in Hoi An bieten preiswerte Gruppentouren im Bus oder Minivan an, meist mit englischsprachigem Guide. Praktisch und unkompliziert, jedoch weniger flexibel.

Mit privatem Fahrzeug und deutschsprachigem Guide

Für höchsten Komfort bietet Horizon Vietnam private Fahrten mit Chauffeur ab Ihrem Hotel an. Vor Ort erklärt Ihnen ein deutschsprachiger Guide die Geschichte des Champa-Reiches, die hinduistischen Einflüsse und die Besonderheiten der Ziegelarchitektur – eine bereichernde, persönliche und entspannte Erfahrung.

Geschichte des Heiligtums My Son

Die Ursprünge von My Son reichen ins 4. Jahrhundert zurück, als König Bhadravarman I. einen Holztempel zu Ehren Shivas und des Linga errichten ließ – dem hinduistischen Symbol für Fruchtbarkeit und göttliche Kraft. My Son wurde bald zum spirituellen Zentrum des Champa-Reiches.

Nach einem Brand wurde der Tempel im 7. Jahrhundert unter König Sambhuvarman aus Ziegeln neu gebaut – mit einer bis heute rätselhaften Bautechnik ohne sichtbaren Mörtel und mit erstaunlicher Festigkeit. Über die Jahrhunderte errichteten und restaurierten die Cham-Könige mehr als 70 Tempel und Türme, die My Son über tausend Jahre lang zum religiösen Herzstück des Reiches machten.

Die Stätte diente ebenfalls als Begräbnisort für Könige und hohe Priester. Zahlreiche Sanskrit-Inschriften erzählen von den Herrschern und ihren Glaubensvorstellungen, die tief von der indischen Kultur geprägt waren.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde My Son von französischen Forschern wiederentdeckt und systematisch untersucht – insbesondere von Henri Parmentier, der die Anlage in Gruppen (A bis H, K usw.) gliederte. Das Heiligtum gilt als architektonischer Höhepunkt der Cham-Kultur, insbesondere der legendäre My-Son-A1-Stil. 1999 wurde My Son zum UNESCO-Welterbe erklärt.

Architektur des Heiligtums My Son

Die Architektur von My Son spiegelt einen außergewöhnlichen kulturellen Austausch zwischen Indien, Indonesien, Malaysia, arabischen Einflüssen und der lokalen Cham-Tradition wider – mit starkem Schwerpunkt auf hinduistischer Symbolik.

Das Heiligtum ist in mehrere Gruppen unterteilt (A, B, C, D…), die je nach Epoche unterschiedliche Baustile repräsentieren:

  • Alter Stil & Mỹ-Sơn-E1-Stil (8. Jh.): Tempel E1, F1

  • Hoa-Lai-Stil (8.–9. Jh.): A2, C7, F3

  • Dong-Duong-Stil (9.–10. Jh.): A10, A11–13, B4, B12

  • My-Son-A1-Stil (10. Jh.): B5, B6, B7, B9, C1, C2, C5, D1, D2, D4

  • Übergangsstil A1 – Binh Dinh (11.–12. Jh.): E4, F2, Gruppe K

  • Binh-Dinh-Stil (11.–14. Jh.): B1, Gruppen G, H

Jede Tempelgruppe folgt einer hinduistischen Kosmologie:
Kalan (Hauptturm) – dem Linga oder Shiva gewidmet,
Gopura (Torhaus),
Mandapa (Vorhalle für Opfergaben) und
Kósa Grha (Aufbewahrung heiliger Gegenstände).

Die turmartigen Strukturen symbolisieren den heiligen Berg Meru – das Zentrum des Universums im Hinduismus – und sind stets nach Osten orientiert.

Der berühmte A-Komplex (Kalan My Son A1) besaß einen zentralen Linga, umgeben von sechs Nebentürmen, die den Schutzgöttern der Himmelsrichtungen gewidmet waren.

Viele Elemente wurden im Vietnamkrieg zerstört, insbesondere 1969 durch amerikanische Bombardements. Dennoch wird die Stätte heute durch internationale Restaurierungsprogramme bewahrt (UNESCO, Italien, Japan, UNESCO-Fonds usw.).

Was kann man im Heiligtum von My Son unternehmen?

Das Museumsgebäude besuchen

Das kleine Museum am Eingang erklärt die Geschichte des Champa-Reiches, hinduistische Einflüsse und die Grundlagen der Cham-Architektur – ein idealer Einstieg in die Besichtigung.

Die Tempel und symbolische Architektur entdecken

Die Ziegeltürme wurden ohne sichtbaren Mörtel gebaut – ein bis heute ungelöstes Rätsel. Die kunstvollen Basreliefs zeigen Gottheiten, Apsaras, heilige Tiere und florale Motive.

An einer traditionellen Cham-Tanzvorführung teilnehmen

Täglich führen lokale Künstler rituelle Cham-Tänze auf – inspiriert von Shiva-Riten. Ein unvergesslicher kultureller Moment zwischen uralten Tempeln.

Am Katê-Festival teilnehmen

Jedes Jahr im September/Oktober findet eines der wichtigsten Cham-Feste statt – mit Ritualen, Tänzen, Gesängen und traditionellen Spielen.

Kulinarische Entdeckungen rund um My Son

  • Be thui Cau Mong – langsam geröstetes Kalbfleisch, serviert mit frischen Kräutern und Sesam-Zitronen-Sauce.

  • Mi Phu Chiem – Reisnudeln aus dem Thu-Bon-Tal, serviert mit karamellisiertem Schwein, Garnelen und Gemüse.

  • Banh Beo – gedämpfte, weiche Reisküchlein mit duftender Füllung.

  • Banh Xeo – knusprige vietnamesische Pfannkuchen mit Garnelen, Schweinefleisch und Sojasprossen.

Praktische Tipps für Ihren Besuch

  • Beste Besuchszeit: früh morgens oder spät nachmittags.

  • Kleidung: leichte, aber bedeckende Kleidung; Hut, Sonnenbrille, Sonnencreme, feste Schuhe.

  • Respekt: My Son ist ein heiliger Ort – bitte berühren Sie keine Ruinen und vermeiden Sie unpassende Posen.

  • Wasser: unbedingt mitnehmen, besonders im Sommer.

  • Tickets: Der Eintritt umfasst auch das Museum.

Fazit

My Son ist weit mehr als eine archäologische Stätte – es ist ein lebendiges Zeugnis von Spiritualität, Kultur und Geschichte. Eingebettet in üppige Natur verbindet das Heiligtum sakrale Architektur, hinduistische Symbolik und die reiche Tradition der Cham-Zivilisation. Ob Geschichtsinteressierte, Liebhaber alter Kulturen oder Reisende auf der Suche nach Ruhe – My Son bietet ein zeitloses Erlebnis, bei dem jeder Stein die Erinnerung an eine glanzvolle Vergangenheit bewahrt.

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